Charles Worthen: Ausstellungsbesprechung in: KSTA_02
SKULPTUREN AUS PLASTIK. Von Jk

Namenlose Kreaturen sind es, mit denen Charles Worthen die artothek in Köln bevölkert hat. "Ich wuchs mit Plastik auf. Alle meine Spielzeuge waren aus Plastik. Plastik war das erste Material, dem gegenüber ich Nähe und Selbstverständlichkeit empfand", beschreibt Charles Worthen (Jahrgang 1958) die weit zurückliegenden Grundlagen seiner Kunst. Und so gebraucht der amerikanische Künstler, der inzwischen in Köln lebt, den Kunststoff Transpolyoctenamer tatsächlich wie ein traditioneller Bildhauer mit Ton, Holz oder Gips arbeitet. Entgegen der weit verbreiteten Ansicht, Plastik für ein äußerst tristes, "totes" Material zu halten, ist es für ihn ein sehr lebendiger Stoff.
Auf 90 Grad erhitzt ist es im Verarbeitungszustand weich wie heißer Kaugummi. Er gibt Farbpigmente in die flüssige, im Rohzustand weiße Masse, zieht und knetet sie und lässt biomorphe Gestalten entstehen, in denen sich die Erinnerung an die Spielfiguren der Kindheit mit den Mutationsfantasien technischer Unberechenbarkeit verbindet.

Extrem künstlich
Die amüsante Unbeholfenheit der Teletubbies steckt darin ebenso wie der Wunsch, aus Knetmasse seine eigenen Kumpanen zu erschaffen. Dass in diesem extrem künstlichen Material das Menschliche seinen (zeitgemäßen) Ausdruck findet, kann gleichermaßen beruhigen oder erschrecken. Genau dieses Dazwischen berührt den Kern von Worthens Kunst. Seine Skulpturen erinnern an bekannte Figuren und sind doch unbekannte Wesen. Sie wecken vertraute Gefühle und führen zugleich in die Fremde. Sie lassen die unheimliche Seite einer zukünftigen Entwicklung erahnen und verbreiten trotzdem eine heitere, optimistische Stimmung. Besser kann der Zeitgeist sich kaum zu erkennen geben.