Anna Anders
Jürgen Raap: Anna Anders verwandelt Galerie in Umkleidekabine.
Ausstellung des Monats in: Kölner Illustrierte, Dezember 2002, Nr. 12 (FACE TO FACE, 23.10. - 21.12.2002)

Die Medienkünstlerin Anna Anders verwandelt Räume. Ihre Videoarbeiten haben einen performancehaften Charakter: Der Ausstellungsbesucher hat den Eindruck, es finde eine Aktion in Echtzeit statt, im Zwischenbereich von Realität und Virtualität. Was ist Projektion und was ist reale Aktion im Raum? Die Arbeit "Changing Room" verwandelt einen Türdurchgang in eine Umkleidekabine, hinter deren Vorhang sich zwei Frauen umziehen. Man sieht nur die Silhouetten und die zu Boden fallenden Kleidungsstücke. Ihre Kommentare richten sich an den Betrachter; gleichzeitig wird dieser Betrachter von einem Mann durch eine Jalousie beobachtet: So ist der Voyeur zugleich passives Objekt der Betrachtung. Die Kommentare der beiden Frauen machen den Zuschauer zum Komplizen des Geschehens, zum Mitakteur.

Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert auch die Arbeit "Face to Face" mit der lebensgroßen Darstellung eines Menschen, der den Besucher zum Dialog herauszufordern scheint. Ein Paradoxon zeigt die Werkgruppe "Hocker": Die Bildschirme zeigen Personen, die im Inneren der Hocker zu kauern scheinen. Der Besucher setzt sich quasi auf ihr Gesicht und ihren Körper. Auch wenn man weiß, es sind nur Medienbilder: Es kostet schon einiges an Überwindung, sich so brutal niederzulassen.

Eine wirklich lohnenswerte Ausstellung: Anna Anders hat das gesamte Galerieambiente in einen Privatraum verwandelt, in dem jemand schläft, jemand anderer eine Scheibe putzt und eine dritte Person sich permanent an- und auszieht.